Historischer Bahnhof Gadebusch

Geschichtsreise im Gadebuscher Fahrkartenschalter - Restaurant Station Burgsee

SVZ | 01.06.2013

Kleine Ausstellung im Bahnhof zeigt Exponate aus längst vergangener Zeit Gadebusch

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Einmal Karl-Marx-Stadt bitte: Peter Falow hält eine Fahrkarte in der Hand, die der betagte Fahrkartendrucker in Gadebusch noch herstellen kann.
Fotos: Hans Taken (5)

Der kleine Tisch mit den Eisenfüßen hat schon weit über 100 Jahre seinen Dienst verrichtet und all das auf seiner Holzplatte getragen, was in einer Eisenbahn-Fahrkartenausgabe alles so gebraucht wird. Stempel nebst Kissen, Kurbeltelefon, Uhr, Locher und Lampe. Diese Gegenstände sind im alten Bahnhof Gadebusch zwar nicht mehr in Betrieb, aber als Ausstellungsstücke passen sie hervorragend in das kleine Eisenbahnmuseum.

„Es ist wahrscheinlich das kleinste Eisenbahnmuseum Mecklenburgs“, sagt Peter Falow. Der Schweriner ist Freizeithistoriker für Verkehrsgeschichte und die meisten seiner 78 Lebensjahre hat er mit der Eisenbahn zu tun gehabt. Mitte der 1950-er Jahre hat er seine Lokführerausbildung gemacht und beim Bahnbetriebswerk Schwerin gearbeitet. Erst als Lokführer, dann als Fahrlehrer für Lokomotiven, später als Kontrolleur und danach im Marketing für Traditionsfahrten. Vor 18 Jahren ging er in den Ruhestand, doch Ruhe, die gönnt er sich selten, denn er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Eisenbahngeschichte lebendig zu halten.

Deshalb stand Peter Falow auch 2011 beim Tag des offenen Denkmals vor dem alten Bahnhof in Gadebusch, dessen Dornröschenschlaf in dieser Zeit zu Ende ging. Holger Hempel hatte sich des ausrangierten Gebäudes angenommen, um dort unter anderem eine neue gastronomische Einrichtung für Gadebusch aufzubauen. „Und da stand plötzlich dieser ältere Herr vor mir, der alles über die Eisenbahnstrecke Rehna-Schwerin wusste“, sagt Holger Hempel. Zwischen den beiden Männern entstand eine Partnerschaft und auch die Idee, im alten Fahrkartenschalter ein kleines Museum einzurichten. Jetzt gibt es auf rund neun Quadratmetern im 1897 gebauten Bahnhof ein Stück Zeitgeschichte hinter dem Schalterglas zu sehen, vor dem früher die Reisenden standen, um ihre Tickets zu kaufen.

Originalstücke aus dem alten Bahnhof Gadebusch waren kaum ausfindig zu machen, deshalb besteht die kleine Sammlung aus dem Fundus von Peter Falow „und aus dem Nachlass eines Freundes und Hobby-Historikers aus Hamburg“, sagt Peter Falow. An einer Wand steht ein alter, schwerer Fahrkartendrucker. „Wohin soll die Reise gehen?“, fragt Eisenbahnfreund Falow, legt ein Pappstück ein und druckt eine Fahrkarte mit der Aufschrift „Wittenburg (Meckl.) Karl-Marx-Stadt über Ludwigslust-Wittenberge“. Die betagte Maschine kann viele Fahrkarten lösen, kann mit Druckplatten bestückt werden, auf denen Ziele stehen, die längst nicht mehr in Betrieb sind. „Bruel, Warin, Weitendorf oder Sternberg“, nennt Peter Falow nur einige von ihnen.

Auch wenn es nicht im kleinen Museum hängt – der Fahrplan, der rechts in einem Schaukasten der Eingangshalle hängt, trägt das Datum 1. October 1899. „Das Stück ist bei Malerarbeiten im Verwaltungsgebäude der Reichsbahndirektion Schwerin hinter Tapeten aufgetaucht und wurde Makulatur geklebt“, weiß der Freizeithistoriker, der auch das Schweriner Eisenbahnmuseum mit aus der Taufe gehoben hat.

„Hier sieht es ja aus wie früher“, hat vor kurzem eine ehemalige Fahrkartenverkäuferin gesagt. Das hören Peter Falow und Holger Hempel gerne, denn so soll es ja auch sein.
Hans Taken

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