Historischer Bahnhof Gadebusch

Heiraten im alten Bahnhof - Restaurant Station Burgsee

SVZ | 23.05.2013

Vom 1. Juli an können sich Paare in der Station Burgsee das Ja-Wort geben / Monatelanger Streit im Vorfeld

Holger Hempel im neu eingerichteten Hochzeitszimmer in der Station Burgsee. FOTO: MXHE

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GADEBUSCH Wenn es nach Holger Hempel ginge, könnte es sofort losgehen: Dann könnte schon heute das erste Brautpaar auf den mit violettem Samt bezogenen Stühlen Platz nehmen, der Standesbeamte ihm gegenüber an dem schweren Holztisch, der mit silbernen Kerzenleuchtern und Rosengestecken dekoriert ist. Dann könnte schon heute das erste Paar im neu eingerichteten Hochzeitszimmer im historischen Bahnhofsgebäude getraut werden.

Holger Hempel, Besitzer des alten Bahnhofs, ist vorbereitet – und muss sich trotzdem noch gedulden: In rund sechs Wochen wird sich das erste Paar in der Station Burgsee das Ja-Wort geben können. „Vom 1. Juli an kann dort geheiratet werden“, bestätigt Amtsvorsteher Rico Greger. Davor stehe noch eine Überprüfung durch die Standesamtsaufsicht des Landkreises. „Hier wird geschaut, was noch verändert werden muss, um den für Hochzeiten notwendigen Rahmen zu bieten.“ Dabei, betont Greger, gehe es jedoch nur noch um Kleinigkeiten. „Die grundsätzliche Entscheidung liegt im Ermessen des Amtsvorstehers. Und ich habe meine positive Bewertung bereits Ende letzten Jahres abgegeben.“

Es ist das vorläufige Ende eines lange währenden Streits: Seit mehr als neun Monaten diskutieren Amtsausschuss, Amtsvorsteher und Amtsverwaltung darüber, ob es möglich sein sollte, im alten Gadebuscher Bahnhof Trauungen anzubieten (wir berichteten). Anfang des Jahres hatte Amtsvorsteher Greger schließlich mit einem Machtwort für Klarheit gesorgt. „Ich stehe nach wie vor voll hinter der Idee“, betont er auch jetzt. „Das ist eine tolle Sache. Wenn eine Gemeinde ein solches Angebot machen kann, sollte sie dies auch tun.“

Für Holger Hempel bedeutet der Startschuss am 1. Juli vor allem eins: Das Ende monatelanger Ungewissheit und langer Diskussionen. „Ich bin überzeugt, dass alle von diesem Angebot profitieren würden. Deshalb sollte man doch auf Unterstützung hoffen und nicht auf Gegenwind“, sagt er. Rund 6000 Euro hat Hempel in Möbel und Ausstattung seines Hochzeitszimmers investiert. Und schon jetzt gebe es etliche Anfragen von Paaren, die in seinem sanierten Bahnhof mit Blick auf den Burgsee heiraten wollen – wenn auch die romantische Euphorie so manches Paares einen ernüchternden Dämpfer erhalten haben soll. „Ich habe gehört, dass sich bereits Paare beim Standesamt direkt nach der Möglichkeit erkundigt
haben sollen, in der Station Burgsee zu heiraten und dass ihnen gesagt worden sei, dass das nicht möglich ist“, so Hempel. „Ich habe da wirklich das Gefühl, boykottiert zu werden“, ärgert sich der Unternehmer.

Mit dem Verweis auf „Verwaltungsinterna“ wollte Amtsvorsteher Rico Greger zu möglichen Vorbehalten innerhalb der Verwaltung keine Stellung beziehen. Bereits im Januar hatte Greger jedoch erklärt, dass man sich in Gesprächen darauf geeinigt habe, eine Stelle, die eigentlich wegfallen sollte, zu erhalten. „Dadurch haben wir künftig auch die Kapazitäten, um das Angebot des Standesamtes zu erweitern“, so Greger damals.

Allerdings: Wie stabil der Frieden rund um das Hochzeitszimmer in der Station Burgsee ist, wird sich erst noch zeigen. Andreas Lausen, Leitender Verwaltungsbeamter und erklärter Gegner des Vorhabens, wollte sich gestern weder zur möglichen Realisierung des Angebots noch zum geplanten Ablauf innerhalb des Standesamtes äußern. „Ich sage dazu nichts. Wenn Herr Greger und Herr Hempel sich dazu äußern, ist das ihre Sache.“
Maxine Herder

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